Mikroplastik im Haushalt
Woher Mikroplastik im Haushalt kommt, wie groß die Mengen im Vergleich sind — und welche Handgriffe wirklich etwas ändern. Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle.
Das Wichtigste in Kürze
Kleiner als 5 Millimeter
So wird Mikroplastik meist abgegrenzt. Ein Teil wird so klein hergestellt, ein anderer entsteht durch Abrieb und Zerfall größerer Kunststoffteile.
Reifen vor Waschmaschine
Reifenabrieb ist nach einer Fraunhofer-Studie die größte Quelle: rund 1,2 kg pro Kopf und Jahr. Die Textilwäsche kommt auf rund 77 g.
Die Kläranlage hält viel zurück
Über 95 Prozent des Mikroplastiks im Abwasser — je nach Ausstattung. Es bleibt im Klärschlamm und ist damit nicht verschwunden.
Was Mikroplastik ist
Eine verbindliche Definition gibt es nicht; das Umweltbundesamt schreibt selbst, dass sie seit Jahren diskutiert wird. Häufig gemeint sind Plastikteilchen, die kleiner als 5 mm sind. Unterschieden wird zwischen primärem Mikroplastik, das in dieser Größe hergestellt wird — etwa als Schleifkörnchen in Peelings —, und sekundärem, das durch Abbau und Abnutzung aus größerem Plastik entsteht. Als häufige Quellen dafür nennt das Umweltbundesamt Kunststoffbehälter, Textil-Mikrofasern und Reifenabrieb.
Ganz einheitlich ist auch diese Einteilung nicht: Fraunhofer UMSICHT zählt Abrieb, der beim Benutzen entsteht — von Reifen, Schuhsohlen, Textilien oder Farben —, als eigene Gruppe zum primären Mikroplastik. Für den Alltag ist die Frage wichtiger, wo es entsteht. Darum geht es im nächsten Abschnitt.
Wie groß die Mengen sind — und wo der Haushalt steht
Eine Schätzung für Deutschland stammt aus einer Konsortialstudie von Fraunhofer UMSICHT aus dem Jahr 2018. Sie kommt auf rund 4 kg Mikroplastik pro Kopf und Jahr, die in die Umwelt gelangen, zusammen etwa 330.000 Tonnen. Die Autoren betonen selbst, dass die in den Medien präsenten Quellen Kosmetik und Textilwäsche „bei weitem nicht die größten“ sind.
| Quelle | Gramm pro Kopf und Jahr | Studie |
|---|---|---|
| Reifenabrieb | 1.228,5 (davon Pkw 998) | Fraunhofer UMSICHT 2018, Platz 1 |
| Faserabrieb beim Waschen | 76,8 (davon im Haushalt 66) | Fraunhofer UMSICHT 2018, Platz 10 |
| Mikroplastik in Kosmetik | 19,0 | Fraunhofer UMSICHT 2018, Platz 17 — vor dem EU-Verbot |
| Spülschwamm | 0,68 bis 4,21 je nach Schwammtyp | Universität Bonn u. a. 2026 |
Reifenabrieb ist damit rund 16-mal so groß wie der Faserabrieb beim Waschen. Das heißt nicht, dass die Wäsche egal ist — aber es hilft beim Einordnen, wenn eine einzelne Zahl sehr groß klingt.
Wäsche: was die 700.000 Fasern bedeuten
Die Zahl stammt aus einer Studie der University of Plymouth von 2016. Gemessen wurde, wie viele Fasern eine durchschnittliche 6-kg-Waschladung ins Abwasser abgibt — und das Ergebnis hängt stark am Stoff:
- Acryl: rund 729.000 Fasern — daher die oft zitierten „700.000“
- Polyester: rund 496.000 Fasern
- Polyester-Baumwoll-Mischgewebe: rund 138.000 Fasern
Wer die 700.000 für jede Wäsche mit Kunstfaser nennt, übertreibt also: Sie gelten für Acryl. Mischgewebe gab in der Studie durchweg deutlich weniger Fasern ab als reines Polyester oder Acryl.
Und ein Waschbeutel? Dieselbe Arbeitsgruppe hat 2020 sechs Hilfsmittel verglichen. Der Guppyfriend-Waschbeutel senkte die Fasern im Abwasser um rund 54 Prozent — vor allem, weil in ihm weniger Fasern von der Kleidung abbrechen. Ein außen angebrachter Filter für das Abwasser der Maschine schaffte rund 78 Prozent. Die Forschenden weisen außerdem darauf hin, dass Fasern auch beim Tragen freigesetzt werden. Mehr zum Beutel auf der Seite zum Wäschenetz gegen Mikrofasern.
Kosmetik: was das EU-Verbot abdeckt — und was nicht
Seit dem 17. Oktober 2023 gilt in der EU eine Beschränkung für absichtlich zugesetztes Mikroplastik. Sofort verboten sind Mikroplastikperlen in Produkten zum Peelen, Polieren oder Reinigen. Für anderes Mikroplastik — auch Glitzer — gelten Übergangsfristen, in denen Produkte weiter verkauft werden dürfen:
- abspülbare Kosmetik wie Duschgel oder Shampoo: bis einschließlich 16. Oktober 2027
- Kosmetik, die auf der Haut bleibt, etwa Cremes: bis einschließlich 16. Oktober 2029
- Make-up, Lippen- und Nagelprodukte: bis einschließlich 16. Oktober 2035
Die Beschränkung betrifft feste Kunststoffteilchen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Kosmetik Kunststoffe auch als Wachse, Gele oder flüssige Polymere enthält, die sich an der Zutatenliste oft nicht erkennen lassen — und dass lösliche Kunststoffe beim Mikroplastik gar nicht mitgezählt werden. Ihr Rat für den Einkauf: Zertifizierte Naturkosmetik mit Siegel enthält keine Kunststoffe aus Mineralöl. Wie das bei Seife aussieht, steht auf der Seite zur unverpackten Naturseife.
Spülschwamm: messbar, aber nicht der größte Hebel
Eine Studie der Universität Bonn mit Fraunhofer UMSICHT und der Universität Leiden hat 2026 erstmals gemessen, was Küchenschwämme im Alltag verlieren. Ergebnis: Alle untersuchten Schwämme setzen beim Benutzen Mikroplastik frei, je nach Typ 0,68 bis 4,21 Gramm pro Person und Jahr. Schwämme mit weniger Kunststoffanteil gaben deutlich weniger ab.
Dieselbe Studie zeigt aber auch: Beim Spülen von Hand gehen 85 bis 97 Prozent der gesamten Umweltwirkungen auf den Wasserverbrauch zurück, nicht auf das Mikroplastik. Ein Schwamm ohne Kunststoff ist trotzdem sinnvoll — Alternativen stehen auf der Seite zur plastikfreien Spülschwamm-Alternative.
Kläranlage und Klärschlamm: zurückgehalten heißt nicht weg
Kläranlagen halten nach Fraunhofer UMSICHT je nach technischer Ausstattung über 95 Prozent des zuströmenden Mikroplastiks zurück. Der Preis dafür: Die Teilchen reichern sich im Klärschlamm an. Wird der als Dünger auf Felder gebracht, gelangt das Mikroplastik in den Boden — darauf weist das Umweltbundesamt für absichtlich zugesetzte Kunststoffe hin. Und nicht alles Abwasser läuft durch die Kläranlage: Laut Fraunhofer UMSICHT werden rund 22 Prozent, überwiegend Regenwasser, nur teilweise gereinigt.
Was im Haushalt wirklich hilft
- Beim Kleiderkauf: Naturfasern enthalten kein Plastik. Wo es Kunstfaser sein soll, gab Mischgewebe mit Baumwolle in der Plymouth-Studie deutlich weniger Fasern ab als reines Acryl oder Polyester.
- Beim Waschen: Ein Waschbeutel halbiert die Fasern im Abwasser ungefähr — mehr verspricht die unabhängige Messung nicht.
- Bei Kosmetik: auf zertifizierte Naturkosmetik mit Siegel achten; das EU-Verbot erfasst längst nicht alle Kunststoffe.
- Beim Spülen: einen Schwamm mit wenig oder ohne Kunststoff nehmen — und Wasser sparen, denn das ist beim Spülen von Hand der größere Posten.
Der größte Einzelposten liegt allerdings außerhalb der Wohnung: der Abrieb von Autoreifen.
Häufige Fragen zu Mikroplastik im Haushalt
Kurz beantwortet — jede Antwort stützt sich auf die Quellen unten.
Quellen
- Umweltbundesamt: Mikroplastik, Stand 16.10.2025. Abgerufen am 11.09.2026.
- Fraunhofer UMSICHT: Pressemitteilung zur Konsortialstudie Mikroplastik, 10.07.2018, und die Studie „Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik“ (PDF), Tabelle 3-1. Abgerufen am 11.09.2026.
- University of Plymouth: Washing clothes releases thousands of microplastic particles into environment, 27.09.2016; Studie Napper & Thompson, Marine Pollution Bulletin 112 (2016), Zusammenfassung. Abgerufen am 11.09.2026.
- Napper, Barrett & Thompson: The efficiency of devices intended to reduce microfibre release during clothes washing. Science of the Total Environment 738 (2020), Zusammenfassung. Abgerufen am 11.09.2026.
- Europäische Kommission: Commission Regulation (EU) 2023/2055 – Restriction of microplastics intentionally added to products. Abgerufen am 11.09.2026.
- Verbraucherzentrale: Mikroplastik und Kunststoffe in Kosmetik und im Meer, Stand 12.08.2025. Abgerufen am 11.09.2026.
- Universität Bonn: Abwasch mit Nebenwirkung: Küchenschwämme verlieren Mikroplastik, 17.03.2026; Studie Hamann u. a., Environmental Advances 23 (2026) 100693. Abgerufen am 11.09.2026.
- Umweltbundesamt: EU plant Beschränkung der Verwendung von Mikroplastik ab 2022, 05.03.2019. Abgerufen am 11.09.2026.