Home Bambus: wie plastikfrei?
Material erklärt

Bambus: wie plastikfrei ist es?

„Aus Bambus“ steht auf Geschirr, Zahnbürsten und Textilien — und meint jedes Mal etwas anderes. Was das Etikett über den Rest des Produkts sagt, und wo hinter Bambus Kunststoff steckt.

Das Wichtigste in Kürze

🍽️

Bambusgeschirr

War oft Kunststoff aus Melaminharz mit Bambusfasern als Füllstoff. Diese Mischung war in der EU nie zugelassen und darf nicht verkauft werden.

🪥

Bambus-Zahnbürste

Aus Bambus ist der Stiel. Die Borsten sind in der Regel aus Kunststoff und nicht biologisch abbaubar.

👕

Bambus-Textil

In der Regel Viskose: eine chemisch verarbeitete Faser, die keine Eigenschaften des Bambus mehr hat. Auf dem Etikett muss „Viskose“ stehen.

Bambusgeschirr: oft Kunststoff mit Bambusfüllung

Becher, Teller und Kinderschalen „aus Bambus“ bestanden häufig aus einem Kunststoff, dem Melamin-Formaldehyd-Harz, dem Bambusfasern als Füllstoff zugesetzt wurden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt, dass solche Produkte häufig als „Bambusware“ gekennzeichnet und beworben wurden.

Das Problem zeigt sich bei Hitze. Stiftung Warentest hat 2019 zwölf Bambusbecher mit heißer, leicht saurer Flüssigkeit befüllt: In vier fanden sich schon nach der dritten Befüllung sehr hohe Gehalte von Melamin, in drei weiteren nach der siebten. Das BfR empfiehlt deshalb, aus Melaminharz-Geschirr keine heißen Speisen oder Getränke zu essen oder zu trinken — „in besonderem Maße“ gilt das für Bambusware — und es nie in die Mikrowelle zu stellen.

Die Rechtslage ist eindeutig: Bambusmehl wurde nie als Zusatz für Kunststoff zugelassen, der mit Lebensmitteln in Berührung kommt. Solches Geschirr darf in der EU nicht verkauft werden und ist nach der Verbraucherzentrale NRW durch einen EU-weit koordinierten Rückruf weitgehend vom Markt verschwunden. Wer es noch zu Hause hat, sollte es laut Verbraucherzentrale nicht mehr für Lebensmittel verwenden; sie empfiehlt stattdessen Edelstahl, Glas und Porzellan.

Nicht betroffen sind Produkte aus reinem Bambus wie ein Schneidebrett — sie bleiben zulässig. Und wer auf solchem Geschirr „kompostierbar“ liest: Das niedersächsische Landesamt LAVES nennt genau diese Angabe als Beispiel für eine irreführende Kennzeichnung. Was „kompostierbar“ sonst bedeutet, steht auf der Seite Kompostierbar, biologisch abbaubar, Bioplastik.

Bambus-Zahnbürste: Stiel aus Bambus, Borsten aus Kunststoff

Bei Bambus- und Holzzahnbürsten ist nach Öko-Test nur der Stiel aus diesem Material. Die Borsten sind in der Regel aus Kunststoff und damit nicht biologisch abbaubar. Öko-Test rät deshalb, den Kopf bei der Entsorgung abzutrennen und getrennt zu entsorgen.

Wie viel der Bambusstiel für die Umwelt bringt, ist nicht so eindeutig, wie es scheint. Öko-Test gibt eine Studie aus dem British Dental Journal von 2020 wieder, auf die sich der BUND Hessen bezieht: Aufsteck-Zahnbürsten, bei denen man nur den Kopf wechselt, schnitten dort genauso gut ab wie Bambusbürsten. Es komme also weniger auf das Material an als auf die Menge des Abfalls. Der BUND Hessen weist außerdem auf die langen Transportwege von Bambus hin.

Welche Zahnbürsten es gibt und worauf du beim Kauf achtest, steht auf der Seite zur plastikfreien Zahnpflege.

Bambus-Textil: in der Regel Viskose

Textilien „aus Bambus“ — Kleidung, Handtücher, Wattepads — sind in der Regel aus Viskose. Dafür wird Bambus mit Chemikalien wie Natronlauge und Schwefelkohlenstoff zu einer spinnbaren Masse verarbeitet, die nach der Verbraucherzentrale NRW keine Eigenschaften des ursprünglichen Bambusgrases mehr hat. Viskose ist damit keine Naturfaser, aber auch kein Kunststoff aus Erdöl: eine aus Zellulose gewonnene, chemisch verarbeitete Faser.

Auch die Kennzeichnung ist geregelt: Wo auf dem Etikett die Faserzusammensetzung stehen muss, ist „Bambus“ oder „Bambusfaser“ für Viskose irreführend und gesetzeswidrig. Nach der Textilkennzeichnungsverordnung muss dort „Viskose“ stehen — egal, ob sie aus Bambus oder aus Holz hergestellt wurde. Wie das bei Wattepads aussieht, steht auf der Seite zu wiederverwendbaren Wattepads.

Was „aus Bambus“ auf dem Etikett wirklich sagt

Es sagt, woraus ein Teil des Produkts ist — nicht, dass das ganze Produkt ohne Kunststoff auskommt. Drei Fragen helfen beim Einkauf:

  • Geschirr: Ist es reines Bambusholz wie ein Schneidebrett — oder ein Becher oder Teller, der wie Kunststoff aussieht? Das Zweite sollte es in der EU nicht mehr zu kaufen geben.
  • Bürsten: Woraus sind die Borsten? Bei Zahnbürsten sind sie in der Regel aus Kunststoff.
  • Textilien: Was steht in der Faserangabe? Steht dort „Viskose“, ist es eine chemisch verarbeitete Faser, auch wenn die Packung Bambus zeigt.

Bambus als Pflanze wächst schnell; nach Öko-Test braucht sie dafür weder Pestizide noch Dünger. Was aus ihr gemacht wird, entscheidet aber erst die Verarbeitung.

Häufige Fragen zu Bambus

Kurz beantwortet — jede Antwort stützt sich auf die Quellen unten.

Nicht, wenn es Melaminharz mit Bambusfüllung ist. Solche Gefäße können bei Hitze Melamin und Formaldehyd an Lebensmittel abgeben; das BfR rät, daraus nichts Heißes zu essen oder zu trinken und es nicht in die Mikrowelle zu stellen. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, es gar nicht mehr für Lebensmittel zu verwenden. Reines Bambusholz, etwa ein Schneidebrett, ist davon nicht betroffen.
Kunststoffgeschirr mit Bambusmehl nicht: Bambus war als Zusatz für Kunststoff mit Lebensmittelkontakt nie zugelassen. Nach einem EU-weit koordinierten Rückruf ist es weitgehend vom Markt verschwunden. Produkte aus reinem Bambus sind weiterhin zulässig.
Nicht als Ganzes. Die Borsten sind in der Regel aus Kunststoff; Öko-Test rät, den Kopf abzutrennen und getrennt zu entsorgen. Ob der Stiel auf dem eigenen Kompost verrottet, dazu gibt es keine Behördenangabe.
In der Regel nicht. „Bambus“-Textilien sind meist Viskose, eine aus Zellulose gewonnene, chemisch verarbeitete Faser, die keine Eigenschaften des Bambus mehr hat. Auf dem Etikett mit der Faserangabe muss deshalb „Viskose“ stehen, nicht „Bambus“.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Gefäße aus Melamin-Formaldehyd-Harz wie „Coffee to go“ Becher aus „Bambusware“ können gesundheitlich bedenkliche Stoffe in heiße Lebensmittel abgeben, Stellungnahme Nr. 046/2019 vom 25.11.2019. Abgerufen am 11.09.2026.
  2. Stiftung Warentest: Bambusbecher im Test, 23.07.2019. Abgerufen am 11.09.2026.
  3. Verbraucherzentrale NRW: Vorsicht: Schadstoffe in Kunststoffgeschirr mit Bambusbeimischung, Stand 31.03.2026. Abgerufen am 11.09.2026.
  4. Europäische Kommission: Bamboo-zling (EU-weit koordinierte Kontrollaktion). Abgerufen am 11.09.2026.
  5. LAVES Niedersachsen: Nachwachsende Kunststoffe? Abgerufen am 11.09.2026.
  6. Öko-Test: Bambus & Co.: Tipps zum Kauf nachhaltiger Zahnbürsten, 01.09.2022. Abgerufen am 11.09.2026.
  7. Verbraucherzentrale NRW: Kleidung aus Bambus – wie ökologisch und hautverträglich ist sie? Stand 20.07.2026. Abgerufen am 11.09.2026.
  8. Öko-Test: Vegane Kleidung: Trends und Rohstoffe für vegane Mode, 25.08.2020. Abgerufen am 11.09.2026.
Sebastian — Ich probiere Alternativen für Küche, Bad und Wäsche aus und schreibe auf, was im Alltag hält. Diese Seite ist recherchiert, nicht getestet: Jede Aussage stützt sich auf die Quellen oben — über mich.
Nach oben scrollen